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Herstellung von Faksimiles

Elektronische Verfahren sind eine attraktive Alternative

 

Faksimile zur Ausstellung „Elementarteile“, Restauratorin: Barbara Hasel, Frankfurt am Main, ©Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main


Die interpretierende Präsentation authentischer Objekte gilt als Königsdisziplin der Museumsarbeit. Erst durch die Begegnung mit dem Original werden für den Besucher Aura und Geschichte lebendig und jeder Museumsbesuch einzigartig. Die originäre Aufgabe des Bewahrens kann jedoch dazu verpflichten, mit Repliken zu arbeiten – etwa um Situationen zu vermeiden, die den Alterungs- und Verfallsprozess der Originale beschleunigen oder sonstige Schäden verursachen könnten. Hervorragend geeignet dazu sind Faksimiles, originalgetreue Kopien bzw. Nachbildungen.

Traditionelle Methoden sind zeit- und kostenintensiv
Faksimiles werden entweder in historisch-originaler Technik oder mittels elektronischer Reproduktionsverfahren hergestellt. Beim originaltechnischen Verfahren werden die historischen Handwerkstechniken und alle verwendeten Materialien simuliert. Dazu benötigt man entweder originale Mal- und Schreibmittel (einschließlich Trägermaterialien) oder entsprechende Alternativen. Problematisch gestaltet sich bei diesem Verfahren oft die „künstliche“ Alterung der „frischen“ Materialien. Alterungsspuren gehören in der Regel zu der Geschichte des Objektes und entstehen durch unzählige, verschiedene äußere Einwirkungen. Diese dem Faksimile zuzufügen, ist nur schwer oder gar nicht möglich und der Gesamtaufwand einer solchen Reproduktion wächst erheblich. Eine kostengünstigere Alternative ist das elektronisch-reprotechnische Verfahren.

Worauf bei dem elektronischen Verfahren zu achten ist
Die Grundlage für dieses Verfahren bildet das Digitalisat, die elektronische Version des Originals. Doch auch hier lauern Fallstricke, denn nicht jedes Digitalisat eignet sich für die weitere Verarbeitung zu einem hochwertigen Faksimile. Basis dafür ist eine hochauflösende, verzeichnungsfreie, homogen ausgeleuchtete, abbildungsscharfe und detaillierte Datei. Um eine hohe optische Plastizität zu erzielen, ist auch die Lichtsituation während der Aufnahme wesentlich. Optimal erfasste Daten können unter einer definierten spektralen Lichtbedingung farblich sehr genau an das Original angepasst werden. Die Alterungsspuren sind in der Aufnahme bereits enthalten. Im anschließenden Druckverfahren erreichen Spezialpapiere in Verbindung mit den wasserbasierten Pigmenttinten eine hohe Alterungsbeständigkeit. Um die Authentizität zu erhöhen, werden die Ränder des gedruckten Objektes gemäß dem Original geschnitten, retuschiert und gealtert. Zusammenfassend stehen im elektronisch-reprotechnischen Verfahren optimale Daten sowie die genaue Farbanpassung an das Original im Fokus der Erzeugung eines hochwertigen Faksimiles, auch um Verschiebungen bei der elektronischen Aufzeichnung sowie beim Druck zu kompensieren.

Warum sind nicht alle Digitalisate tauglich für ein Faksimile?
Der Anspruch an ein Digitalisat ist unterschiedlich. So steht z.B. im bibliophilen Umfeld der Inhalt im Mittelpunkt. Hier ist es nur notwendig, eine elektronische Kopie des Textes zu erzeugen und nicht eine farblich und geometrisch exakte Kopie der physikalischen Seite, wie etwa bei einem Blatt aus einer grafischen Sammlung. Die Digitalisierung im Bibliotheksumfeld nutzt performante Technologien, die in der Lage sind, schnell Texte zu erfassen und komfortabel zu präsentieren (z.B. Volltexterkennung, automatisches Freistellen der Seiten). Ganz anders ist der Qualitätsanspruch bei der Digitalisierung für ein Faksimile, bei der zusätzliche Kriterien zu berücksichtigen sind: gleichförmige Ausleuchtung, höchst mögliche Farbtreue, hohe Auflösung, Dimensionsstabilität, maximale Detailtreue sowie Datentiefe und Schärfe. Die hierfür benötigte Technik unterscheidet sich also deutlich von der Anwendung im Bibliotheksbereich.

Folgende physikalischen Grundlagen sind bei der Datenaufzeichnung für ein Faksimile zwingend zu berücksichtigen:

  1. Homogene Ausleuchtung der Vorlage
  2. Einsatz von Farbmanagement
  3. Auflösung von 360 ppi in der Endgröße für Objekte bis zur Größe von ca. 50 x 70 cm*
  4. Auflösung von 180 ppi oder mehr in der Endgröße für Objekte ab einer Größe von ca. 50 x 70 cm*
  5. RGB Farbraum
  6. Datentiefe von 16bit für eine spätere verlustfreie Nachbearbeitung der Daten
  7. Datenformat als unkomprimierte TIFF Datei (keine komprimierte, verlusthafte JPEG Datei)
  8. Einbettung des verwendeten ICC Profils (Scanner- oder Kameraprofil oder Arbeitsfarbraum)
  9. Begleitende Digitalisierung eines Maßstabs beim Einsatz von Kamerasystemen mit Flächensensoren
  10. Genaue Dokumentation der Vorlagengröße

(* Empfehlungen für die anschließende Ausgabe auf einem Epson-Drucksystem)

Zu hochwertigen Faksimiles von Urkunden gehört aber auch die Reproduktion von dreidimensionalen Objekten, wie z.B. Siegeln und die anschließende Zusammenführung. Erfahren Sie dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

undefinedReproduktion von historischen Urkunden mit anhängenden Siegeln



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